REISEBERICHT: GENUSSREGION GAMLITZ

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Reiseziel für Weinliebhaber

Mit der Reisebloggerin unterwegs an der Weinstraße

„In vino veritas“ – Urlaub für die Sinne in der Genussregion Gamlitz

Sommer in Österreich. Noch vor Beginn der Schulferien brennt die Sonne schon vom Himmel, die Wolken der letzten Zeit haben sich endgültig verzogen und der Sonnenhut gehört endlich zum wichtigsten Utensil im Reisegepäck. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren, und ich bahne mir meinen Weg quer durch Österreich, liegt mein Ziel doch nur ein kleines Stück vor der slowenischen Grenze. Ich glaube noch nie zuvor so viele Markierungshütchen am Stück gesehen zu haben, und davon noch trifft fast jedes zweite die Mittellinie nicht und lässt die Strecke zum Hürdenlauf werden. Hat die Steiermark alle verfügbaren Hütchen zusammengesammelt, um mir meine Reiseroute vom Pyhrn bis in die Südsteiermark zu markieren? Trotzdem geht es flott voran und nach einer wohltuenden Eiskaffee-Pause verlasse ich wenige Ausfahrten nach Graz die Autobahn. Die Landschaft, die weite Teile der Strecke noch von Bergen geprägt war, ändert sich ganz plötzlich und der Wein liegt bereits in der Luft. Vorbei an Weinbauschulen und so mancher Buschenschank geht es immer weiter hinein in die berühmte südsteirische Weinstraße. Mein Navi, wahrscheinlich schon vom Weinduft angeheitert, spielt verrückt und führt mich mitten in den Weinbergen überall hin, nur nicht an mein Ziel. Aber nach einigen Zwischenstopps zur Wegerkundung gelange ich nun doch an den richtigen Weinberg und erreiche meine Gastgeber, die mich bereits am Kranachberg erwarten.

Foto am 01.07.15 um 10.27
Familie Winter

Ein idyllisches Plätzchen hoch oben in den Weinbergen, die das Haus säumen. Sommerlich heiß war es ja zuhause schon, aber beim Aussteigen aus dem Auto merke ich, dass ich hier in einer anderen Klimazone gelandet sein dürfte. Extrem heiß ist es heute in der sogenannten Illyrischen Klimazone, einem Übergangsgebiet zwischen mediterranem, pannonischem und alpinem Klima. Wie die gesamte Südsteiermark liegt auch Gamlitz im Windschatten der Alpen, wodurch Strömungen aus Westen und Norden weitgehend abgeschwächt werden. Mit den für die Region typischen hohen Temperaturen und hohen Anzahl von Sonnenstunden mache ich gleich am ersten Tag Bekanntschaft. Mein Blick schweift über die Weinberge, die die Kranachberg-Stubn umgeben, bis zum Horizont, an dem das Örtchen Glanz zu sehen ist. Die sanfte Hügellandschaft erinnert mich jetzt schon an die Toskana, aber davon werde ich noch mehr sehen, wie mir meine Gastgeber versprechen. Gäste, die sich in ihrem Urlaub Ruhe und Natur wünschen, dazu noch einen guten Tropfen und gesellige Gastfreundschaft, sind bei Familie Winter in der Kranachberg-Stubn bestens aufgehoben.Obwohl erst vor einem halben Jahr als gebürtige Wienerin und gebürtiger Oberösterreicher zugewandert, sei man bereits bestens integriert und der Zusammenhalt im Ort wäre vorbildlich, wie ich in Erfahrung bringe. Der Bürgermeister kümmere sich persönlich um die Anliegen seiner Schäfchen und schrecke auch davor nicht zurück, bei einem Wasserrohrbruch selbst Hilfe zu leisten, wenn Not am Mann ist. So viel Engagement darf dann zu Recht mit 74 Prozent der Wählerstimmen belohnt werden.

Das Zimmer ist neu renoviert, so geräumig, dass man sogar noch zwei Zusatzbetten aufstellen könnte und so selbst Familien ausreichend Platz finden würden und verfügt über einen Balkon mit wunderschönem Blick über die Weinberge hin zu den Hügeln der südsteirischen Toskana.

Beim Abendessen im hauseigenen Heurigen werden mir regionale Schmankerl und Traubensaft und Wein vom eigenen – an das Weingut Skoff verpachteten – Weinberg kredenzt. Wie mir Familie Winter erzählt, stammt der Sauvignon und Chardonnay vom Kranachberg aus bester Südlage. Der Chardonnay nennt sich in dieser Gegend Morillon und zählt zu den typischen Weinen der Steiermark, so wie der Welschriesling und der Semling 88. Im Gegensatz zu den Weinen in der Wachau seien die steirischen heller und man bestelle hier kein „Achterl“, sondern einfach nur ein Glas Wein. Rotweine gäbe es aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht viel in der Gegend, dafür aber einen sehr guten Rosé. Da mir die vielen Buschenschänken aufgefallen sind, ich hier aber bei einem Heurigen sitze, möchte ich noch wissen, was es mit diesen Bezeichnungen auf sich habe und erfahre, dass in einer Buschenschank nur eigene Produkte verkauft werden dürfen, ein Heuriger aber eine normale Gastronomiekonzession besäße und daher wie ein Gasthaus alles anbieten dürfe, auch Bier und Kaffee. Da Frau Winter viele Jahre einen Groß-Heurigen in Sooß und Herr Winter ein Wirtshaus in Grein führte, betreiben sie hier einen Heurigen-Betrieb am Kranachberg, und so komme ich auch in den Genuss von nicht selbst erzeugtem Pfirsichsaft, da das Angebot natürlich um ein Vielfaches größer als in einer Buschenschank ist. Mmmmm, lecker!

Für die Gäste der Kranachberg-Stubn, die größtenteils wegen des kulinarischen Genusses von Wein und Schmankerln anreisen, bietet selbst schon der Kranachberg so einiges an Programm. Eine Weinverkostung samt Kellerführung im benachbarten Weingut Skoff sowie eine Besichtigung des liebevoll angelegten Naturgartens mit Kräutern und wilden Früchten und ein Besuch im Genussladen „Die Amtmann“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Und auch der 18 Kilometer lange Vitalwanderweg kann vom Kranachberg aus gestartet werden. Den Wanderern wird zwischen Weingärten, Wiesen und Wäldern eine abwechslungsreiche Genuss-Wanderung für alle Sinne geboten, liegen doch viele innovative Weingüter und Buschenschänken am Weg und laden zum Verweilen ein. Auch sportlich Ambitionierte kommen nicht zu kurz und finden mehrere Fitness-Stationen zur körperlichen Ertüchtigung vor.

Wer die zahlreichen Buschenschänken und Weingüter der Region nicht per pedes erkunden möchte, kann dies mit dem Service Taxi, einem Zusammenschluss von 80 Gastronomen, tun. Mehr als 500.000 Gäste nutzen jährlich diesen kostenlosen Transfer zwischen Beherbungsbetrieben und Lokalen, um sicher wieder an den Ausgangsort zurückzukehren. Das Service Taxi für unbeschwerten Genuss bewährt sich bereits seit 18 Jahren.

„Die Amtmann“ – das Refugium der Sinne

Am Fuße des Kranachbergs betreiben Franziska und Markus Skoff ein wahres Refugium der Sinne. Im sehenswerten Naturgarten mit alten Obstbäumen, Trockenmauern, einem kleinen Teich, Fröschen und Smaragdeidechsen, duftenden Rosenhecken, einer Lavendelspirale und vielen weiteren Kräutern und wilden Früchten zeigt die Natur ihre einzigartige Schönheit und Farbenpracht. Das Thermometer steigt immer weiter und weiter, aber die Bäume spenden herrlichen Schatten und so lässt sich im Garten eine wunderbare Relax-Pause einlegen. Am Rosenacker hinter dem Haus blühen im Frühsommer auf einem halben Hektar an die 1.000 Damaszenerrosen. In der Morgensonne werden die aufgeblühten Rosenblüten sorgfältig von Hand gepflückt, um ihren vollen Duft und erlesenen Geschmack zu bewahren. Im angrenzenden Genussladen staune ich über das vielfältige Angebot von den mit Liebe hergestellten Köstlichkeiten aus Rosenblüten, Lavendel, Minzen, Kräutern und Wildobst. Warum sich der Laden „Die Amtmann“ nennt, möchte ich noch wissen. Unter diesem Namen wäre die Vorbesitzerin des Hofes bekannt und mit ihrem alten Fahrrad und den vollbepackten Taschen eine Kranachberger Institution gewesen. Diese wolle man sowohl im Logo als auch im Etikett weiterleben lassen, erklärt mir die Besitzerin Frau Skoff. www.die-amtmann.at

Die Gegend in und um Gamlitz erkunden

Blumen und Blumenschmuck so weit das Auge reicht. Gamlitz besticht mit seinem blühenden Erscheinungsbild, das sich mir nach Ankunft im Ort sofort zeigt. Straßen, Häuser und Grünflächen – Gamlitz blüht! Der Zusammenhalt im Ort bestätigt sich auch hier wieder, denn nur so konnte Gamlitz bereits in der Vergangenheit viele Auszeichnungen einheimsen. 1995 wurde das blumige Schaffen erstmals preistgekrönt und zum „schönsten Blumendorf Europas“ gekürt. Diese Auszeichnung konnte 2012 wiederholt werden und auch in den Jahren 2009, 2011, 2012, 2013 und 2014 holte Gamlitz den Sieg in der Kategorie „schönster Markt der Steiermark“.

Auch im Ort ist der Wein allgegenwärtig, selbst in einem Trachtengeschäft wird nebenbei auch noch Wein verkauft. Habe ich diese Kombination schon irgendwo anders gesehen? Nein, mit einem Schmunzeln spaziere ich weiter und entdecke die Zeugen einer langen Geschichte. Hügelgräber weisen auf die Besiedelung der Kelten hin und Grabsteine aus der Römerzeit an der Außenmauer der Pfarrkirche. Den Römern hat die Gegend den Wein zu verdanken. Gemäß der Überlieferung ließ der römische Kaiser Probus (232 bis 282 nach Christi) Wein anbauen, weil römische Legionäre fern der Heimat nicht zu ihrem täglichen Weingenuss kamen. Die Anfänge des Weinbaus in der Steiermark gehen aber ursprünglich auf die Kelten zurück, die vor rund 2.500 Jahren den Grundstein legten, den die Römer in der Folge ausbauten und kultivierten.

Im 4-Sterne Hotel Weinlandhof in Gamlitz treffe ich den stellvertretenden Tourismusobmann und gleichzeitig den Besitzer des Hotels, Herrn Thomas Pichler, zum Gespräch über die Region. Das Hotel verfügt über 52 geräumige und zeitgemäß ausgestattete Zimmer mit Balkon oder Sonnenterrasse, einen Park mit eigenem Weinberg, einem entspannenden Vital-Bereich mit Sauna, Schaffelbad und Pool und einen eigenen Tennisplatz. Das familiengeführte Haus zählt zu den ersten Adressen für den anspruchsvollen Gast in Gamlitz und zu den touristischen Leitbetrieben in der Südsteiermark. Der Großteil der Gäste kommt aus Österreich und Deutschland, ein kleiner Teil noch aus der Schweiz. Neben dem Hauptgast der Generation 50plus, der sich in seinem Urlaub dem Wein widmet und gern wandert, entdecke das Hotel nun immer mehr den jungen Weintrinker ab 25, wie mir der Hotelier verrät. Dem Wein ist auch das Nächtigungsplus zu verdanken, das die Gemeinde in den letzten 20 Jahren erlebte. Wurden damals noch 20.000 Nächtigungen pro Jahr verbucht, sind es heute bereits mehr als 100.000, allein in der Gemeinde Gamlitz. www.weinlandhof.at

weinlandhof
Hotel Weinlandhof

Herr Pichler legt mir noch den Motorikpark ans Herz, den ich zu Fuß in wenigen Minuten vom Hotel erreiche. Kraft und Energie für alle Sinne verspricht das einzigartige Ensemble aus 30 Stationen und 100 Übungselementen. Nicht umsonst ist die Anlage der größte Motorikpark Europas und zieht Hobbysportler und Leistungssportler gleichermaßen an. Der Park ist jederzeit und kostenlos benutzbar und lässt dem Gast die Wahl zwischen Different-Walking, Balance-Parcours, Erdwellenlaufen, Sensorikweg, Klettertouren und vielem mehr. Sehr beliebt ist der Parcours für Trainingslager und Teambuilding-Camps. Noch ein Versuch am Balance-Parcours unter sengender Sonne, bevor ich mich auf den Weg mache, um die nähere Umgebung von Gamlitz zu erkunden.

Die Route führt mich entlang der berühmten südsteirischen Weinstraße, übrigens der ältesten Weinstraße Österreichs, über Leutschach mit Fotostopp beim weltweit größten Klapotetz bis nach Glanz. Am höchsten Punkt der Weinberge wartet der Eorykogel mit einer Attraktion auf, der größten Weintraube der Welt. Damit wurde man sogar ins Guiness Buch der Rekorde aufgenommen. Die Traubendarstellung vom heimischen Künstler Willibald Trojan ist 5 m hoch, 4 m breit und 2 m tief. Die Traube wurde so konzipiert, dass sie 365 Perlen für die Tage des Jahres – einschließlich einer 366. Perle für das Schaltjahr – aufweist, die 52 Teile des Objektes (5o Blätter, Stamm und Traube) deuten die Wochen des Jahres, die 31 kleinen Blätter symbolisieren die Tage des Monats, die 12 mittelgroßen Blätter die Monate des Jahres, und die 7 großen Blätter stellen die Wochentage dar. Eine Sehenswürdigkeit der Region, die man unbedingt gesehen haben muss! Nach einer kurzen Pause mit herrlichem Blick geht es weiter auf schmalen Wegen und Straßen durch die Weinberge. Der Duft von Trauben liegt in der Luft. Beim nächsten Klapotetz, einem Charakteristikum der Region, mache ich Halt und schaue ihn mir aus der Nähe an. Nett anzusehen sind sie, wie sie immer wieder markant in der Landschaft stehen. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? Der Star ist – neben dem Hagel – der größte Feind des Weinstocks und der Klapotetz soll die zerstörerischen Vögel mit seinem steten „Klapp-Klapp“ fernhalten. Vor Hagel sollen die Netze schützen, die überall auf den Reben zu finden sind.

Mein letzter Programmpunkt für diesen Tag ist der Besuch der Bezirkshaupt- und Weinstadt Leibnitz. Möchte man das Leben und quirlige Treiben der Stadt hautnah miterleben, lässt man sich am besten am Hauptplatz nieder. Ich genehmige mir eine kurze Auszeit an einem schattigen Plätzchen in einem Café, allerdings nicht mit einem Glas Wein, sondern Eiskaffee. Die Begrenzung des Schanigartens zur Straße bildet nicht – wie in anderen Städten – ein Zaun oder ein Blumentrog, sondern Weinreben. Wie könnte es auch anders sein! Trotz Einkaufszentren am Stadtrand ist es in Leibnitz gelungen, eine wirklich belebte Innenstadt mit regem Treiben und einer Vielfalt an Geschäften zu erhalten.

Den Abend lasse ich wieder bei meinen Gastgebern ausklingen, mit einer urigen Bretteljause und vorzüglichen Getränken. Die letzte Nacht im Weinberg bricht heran. Absolut still ist es hier, nur ab und zu sind für mich undefinierbare Tierlaute zu hören. Ist das ein Käuzchen? In der Ferne blökt ein Schaf – Natur pur am Kranachberg!

An Graz kann ich bei der Heimfahrt natürlich nicht vorbeiziehen, und so lege ich noch einen Zwischenstopp mit Uhrturmblick ein. Die steirische Landeshauptstadt mit dem südlichen Flair ist einfach immer einen Besuch wert! Durch das Mur- und Mürztal und das immer schöne Ausseerland fahre ich gemütlich heimwärts und freue mich nach Ankunft über 2 Grad weniger am Thermometer. Eindrucksvolle Tage im Genussparadies Gamlitz liegen hinter mir.

Wer sich hier wohlfühlt

Selbstverständlich in erster Linie Weinliebhaber und Genießer der kulinarischen Kultur, aber auch Familien sowie Hobby- und Leistungssportler, die Europas größten Motorikpark in Gamlitz für Trainingszwecke nutzen.

Mein Fazit

Ein für Weinliebhaber lohnenswertes Ganzjahresreiseziel, kommen diese doch vom Frühjahr mit der Präsentation des neuen Jahrgangs im März über die Weinlese und vielen Wein- und Kulinarikfesten im Herbst bis zur Eiswein-Lese am Beginn des Winters allezeit auf ihre Kosten. Vielfältig präsentiert sich auch die Palette der Gastgeber, ob gemütlicher Beherbergungsbetrieb in der Buschenschank, Weingut oder komfortables 4-Sterne Hotel, es ist garantiert für jeden das passende Angebot dabei. Angesichts dieser jahrtausendealten Genussregion im Süden Österreichs müsste eigentlich nur mehr unsere Bundeshymne ergänzt werden durch „Heimat, bist du großer Weine“.

Lesen Sie auch meinen Reisebericht über die Weinregion Retz!

Mit freundlicher Unterstützung von:
Kranachberg-Stubn
Familie Winter
Kranach 46
8462 Gamlitz, AUSTRIA
Tel. +43 (0) 699 13090300
office@kranachberg-stubn.at
www.kranachberg-stubn.at 

Tourismusverband Gamlitz
Marktplatz 41
8462 Gamlitz, AUSTRIA
Tel. +43 (0)3453 39 22
info@gamlitz.eu
www.gamlitz.at 


Ein Kommentar

  1. Ein sehr interessanter Reisebericht!
    Kenne zwar die Südsteiermark schon sehr gut, aber diese Locations waren noch nicht dabei! Toll!

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